Hans -Werner Engels

Georg Kerner (1770-1812)
und die Philanthropische Gesellschaft in Hamburg

Ein Beitrag zum Thema Hamburg zur Zeit der Französischen Revolution

Es ist bekannt, daß sich schon bald nach dem Ausbruch der Französischen Revolution Stimmen fanden, die behaupteten, die Umwälzung sei nichts anderes als das Werk von Freimaurern und Illuminaten. Es ist hier nicht möglich, diese Verschwörungstheorie, die schließlich in der Behauptung gipfelte, deutsche Illuminaten seien für die Ereignisse im Nachbarland verantwortlich, auch nur kurz darzustellen. (1)

Auf einen ihrer bedeutendsten und erfolgreichsten Verfechter sei aber darum hingewiesen, weil das mißtrauische Aufspüren von verschworenen, im Geheimen wirkenden Drahtziehern schließlich Georg Kerners "Philanthropische Gesellschaft" in Hamburg scheitern ließ. Es handelt sich um den Schriftsteller und Publizisten Gottlob Benedikt von Schirach (1743 -1804), dessen "Politisches Journal" damals zu einer der auflagestärksten Zeitschriften deutscher Sprache wurde. Schirach, der am Ende der Großen Freiheit in Altona, dem heutigen Hamburg-St. Pauli, einen beachtlichen Wohnkomplex sein eigen nannte, dort viele französische Emigranten zu seinen Gästen zählte, rückte im August 1790 die Übersetzung der Schrift "Dénonciation à toutes les puissances de l'Europe d'un plan de conjuration contre la tranquillité générale, suivie d'un discours prononcé au Club de Propagande"(2) in sein Blatt ein. Der Klub in Paris - so heißt es - komme "alle Wochen zweimal nach Art und Weise der Freimaurer zusammen . . . Das Innere ist mit einem freimaurerischen Schleier bedeckt."(3)Ziel dieser Vereinigung sei es, nicht nur Anhänger in ganz Frankreich zu gewinnen, sondern zudem den Einfluß auf andere europäische Länder auszudehnen: "Allenthalben, in allen Ländern, an allen Oertern soll sie Committées errichten, und Correspondenzen halten. Und ihre Pflicht ist es auch, allenthalben, in allen Ländern, Hilfe und Beystand zu verschaffen, um die Freyheit wieder zu erobern."(4)

Schirach zögerte nun nicht, in immer neuen Varianten Volksaufstände, Bauernunruhen und lokale Revolten in Europa der französischen 'Propaganda' zuzuschreiben. Schon im September 1790 glaubte er, daß Bewegungen "in Italien, in Holland, in Sachsen, in Ungarn"(5) durch die französische Propaganda hervorgerufen seien. Seine Einschätzung, überall legten französische Volksverführer auch mit Hilfe der Freimaurerei den Keim zum Aufstand, wird ihm zur Marotte. Nachdem er deshalb kritisiert wurde, betonte er verstärkt, daß es immer noch Menschen gebe, die nicht begreifen wollten - so im Juni 1791 -, "daß ein Complott herrschsüchtiger Menschen durch die Wirkungen geheimer Gesellschaften und Verbindungen, alle Gewalt an sich reissen, über alles regieren, und eine schreckliche Despotie einführen will, welche mit schönen Chimären das Volk und schwache Köpfe bethört, und andere mit süßen Träumen von Freyheit und Hoffnungen, mehr zu werden, als sie sind, verblendet." (6)

Schirachs antirevolutionäre Haltung, seine Sucht, überall geheime Dirigenten der Revolution wirken zu sehen, rief eine massive Kritik hervor und kann die zunehmende ideologische Radikalisierung der Öffentlichkeit verdeutlichen. 1798 bemerkte der 'jakobinische' Schriftsteller Georg Friedrich Rebmann: "Um nun auf den Herrn Etatsrath Gottlob Benedikt v. Schirach selbst zu kommen, so kann er in Ansehung seines politischen Unsinns einen Rang einnehmen, gegen den viele seiner Jünger nur mit Mühe hinanklimmen. Mit der Wahrheit springt er so eigenmächtig um, daß Knigge ein neues Wort bildete: die Wahrheit beschirachen, d. h. auf Schirachische Weise verdrehen."(7)

Die von Schirach und anderen Konservativen ununterbrochen geschürte Furcht vor geheimen Gesellschaften teilte der preußische Gesandte in Hamburg, Karl Siegmund von Göchhausen. Seine Beschwerden über die Loge "Einigkeit und Toleranz" in Altona führten nicht nur zum Verbot dieser Gruppierung, (8) sondern am 13. März 1793 zu einem Ratsmandat Hamburgs, das zur Denunzierung aller derartiger Verbindungen aufrief. Zu Beginn heißt es: "Ein Hochedler Rath hat mit Leidwesen bemerken müssen, daß hier und auswärts allerlei Gerüchte ausgestreuet sind, als wenn in dieser guten Stadt geheime Gesellschaften und Zusammenkünfte gehalten würden, deren Zweck dahin gehe, unsere glückliche Verfassung umzustoßen, und durch Verbreitung aufrührerischer Grundsätze und Schriften die öffentliche Ruhe und Sicherheit zu stören, auch sogar einige hiesige Bürger an solchen schädlichen Betrieben würksamen Antheil nehmen.." (9)

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Eine neue Dimension erhielt die Verschwörungstheorie als der Wiener Schriftsteller Leopold Alois Hoffmann weit nachdrücklicher als Schirach, der persönliche Verunglimpfungen weitgehend vermied, die Vorwürfe personalisierte. Am 14. Juli 1791 hatte Hoffmann dem Kaiser Leopold II. eine Liste mit 50 Namen übersandt, die die Überschrift trägt "Einige der merkwürdigeren Illuminaten und Illuminatengenossen."(10) Schon hier zeigte sich durch die Nennung von Gelehrten und Schriftstellern eine maßlose Enthüllungskampagne, die selbst nicht davor zurückschreckte Dichter wie Wieland und Schiller zu diffamieren. Mit der Herausgabe der "Wiener Zeitschrift" (1792-1793) hat Hoffmann dann seine Attacken entfaltet. Ein Höhepunkt seiner Rufmorde bildete zu Beginn des Jahres 1793 die Feststellung, eine Reise des Freimaurers und Illuminaten Johann Joachim Bodes (1730-1793) und des Freimaurers Wilhelm von Busche, die sie auf Geheiß von Knigge und Weishaupt zu einem freimaurerischen Konvente in Paris unternommen hätten, sei der letzte Funke gewesen, die Revolution ins Rollen zu bringen. Bode und Busche hätten die französischen Logen mit dem Illuminatengeist infiziert. Zusammenfassend betonte Hoffmann:

Nicht die Franzosen sind die Erfinder dieses großen Entwurfes, die Welt umzukehren; diese Ehre kommt den Deutschen zu.(. . .) Aus dem in Deutschland entstandenen, und noch ganz und gar nicht verloschenen, sondern nur verborgen und desto gefährlicher treibenden Illuminatismus, sind diese Comités politiques entstanden, die dem Jakobiner-club sein Dasein gegeben.(11) Da Bode von 1757 bis 1778 als genialer Übersetzer, Musik- und Sprachlehrer in Hamburg gelebt hatte und dort 1761 in die Loge "Absalom" aufgenommen wurde, später von dem Freiherrn von Knigge für den Illuminatenorden gewonnen wurde, er zudem in Weimar als einer der profiliertesten Persönlichkeiten der Freimaurerei galt, mußte diese Diskriminierung zugleich viele seiner Freimaurerbrüder entrüsten.(12)

Bedauert wurde die Diffamierung von Bodes Hamburger Freunden und Brüdern. Besonders setzte sich der Theaterpionier und Schauspieler Friedrich Ludwig Schröder (1744 -1816) für ihn ein. Schröder war 1774 aufgrund der Fürsprache Bodes in die Hamburger Loge "Emanuel zur Maienblume" aufgenommen worden und avancierte kurz vor seinem Tod zum Großmeister der Großen Loge von Hamburg. Durch sein Ritualwerk zählt er zu den bedeutenden Reformern der Freimaurerei. Schröder und andere Freunde Bodes - die Namen sind nicht überliefert - gedachten am 16. Januar 1795 des 65. Geburtstags des am 13. Dezember 1793 in Weimar Verstorbenen. In einem Brief an den Dichter Christoph Martin Wieland führte Schröder aus: "Sie sehen hieraus, daß wir wenigstens hier keine Sylbe von alle Dem für wahr halten, was seit Jahr und Tag ein Haufen Nießwurz bedürftiger und mondsüchtiger Illuminatenriecher in namenlosen Flugschriften und Zeitblättern dem nicht unterrichteten Publikum vorzuschwatzen sich vergeblich bemüht haben. Es war gegen die Würde eines ehrliebenden Mannes, mit solchen Elenden, die nur dem todten Löwen den Bart zu zupfen sich erdreisten konnten, aber bei jedem seiner Blicke sich hinter die Tonne versteckt hätten, einen sehr ungleichen Kampf zu beginnen."(13)

Die von Schröder angedeutete Kampagne gegen Freimaurer und Illuminaten sollte sich aber nach 1795 noch steigern. Mit der Zeitschrift "Eudämonia. Journal für Freunde von Wahrheit und Recht" (1795-1798) hatten sich bedingungslose Verteidiger reaktionärer Prinzipien ein Organ geschaffen, das derartige Anschauungen weiter popularisierte.(14) Die geschmacklose persönliche Polemik dieser Zeitschrift richtete sich nachdrücklich gegen "Jakobiner" und "Illuminaten" und unterließ es nicht, neben älteren Verfechtern aufgeklärter Programmatik wie den Freimaureren Weishaupt, Knigge, Bode, Mauvillon, Hennings und Campe, auch jüngere Schriftsteller anzugreifen. Fichte, Rebmann und jenen Autoren, die wegen der milder gehandhabten Pressezensur in Hamburg oder Altona lebten, galt ihr besonderer Haß. Die perfide Verfolgungssucht der "Obskuranten" geißelte Andreas Georg Friedrich Rebmann, der 1796 vorübergehend in Altona weilte und dort seinen späteren journalistischen Mitarbeiter Georg Kerner kennenlernte. Rebmann schrieb: "Allein, sie schränken ihre Angriffe auf nichts weniger, als auf die Illuminaten ein. Jeder, der ihre Schriften nicht lobt, jeder, der anders als sie denkt, jeder, der sich nur von ferne merken läßt, er halte nicht, wie sie Inquisitionen und Preßzwang für die einzigen Mittel zu Deutschlands Rettung, wird von ihnen wüthend angefallen, und als ein Rebell, als ein gefährlicher Mensch denunziert. Bode war ein unermüdlicher Aufspürer aller Schliche des Jesuitism. Sie reissen noch täglich seine Asche aus der Gruft, um sie zu beschimpfen. . ."(15)

Ihre klassische Ausprägung erhielt die Verschwörungstheorie aber erst, als der französische Emigrant Abbé Augustin Barruel zur Zeit des Bestehens der "Philanthropischen Gesellschaft" ein mehrbändiges Werk veröffentlichte, das in der Kurzfassung als "Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus" für ungeheueres Aufsehen sorgte. Das erfolgreiche Werk, das fast in alle europäischen Sprachen übersetzt wurde, beruhte nicht zuletzt auf Informationen, die die Mitarbeiter der Zeitschrift "Eudämonia" dem Verfasser übersandt hatten.(16) Wieder ist die Reise Bodes und von Busches der entscheidende Anlaß zur Revolutionierung Frankreichs. Gleich nach der Abreise der Gesandten, so erklärt Barruel, sei Ende 1787 das "Satzungsbuch des Weishaupt" in einer Loge bei Paris von einem Zeugen gesehen worden: "Man fand da alle Grundsätze der Gleichheit, der Freyheit, der sogenannten natürlichen Religion, welche Weishaupt in diesem Grade auskramet. Man sah da die nämliche Wendung, die nämliche Erklärung der Mäurerzeichen, und besonders die nämliche Schwärmerey. Der Freymäurer, von dem ich dieses habe, verweigerte die Aufnahme zu dieser Verbindung; aber setzte er bey, die mehrsten Brüder, aus denen die Loge bestand, wurden also dahin gerissen, daß sie nach allen Kräften die Revolution beförderten."(17)

Ein Zeitgenosse, der 1802 die "Philanthropische Gesellschaft" verteidigte, sah eine unmittelbare Verknüpfung zwischen diesem Werk und den Anschuldigungen gegen die Philanthropen in Hamburg: "Barruel und andere Emigranten seines Schlages haben, so wie die mehrsten deutschen Reiseschreiber, die Gastfreundschaft auf das schändlichste dadurch verletzt, daß sie Schmähschriften auf die Nationen drucken ließen, welche ihnen eine heilige Freistatt gewährten, und mir ist es unbegreiflich, daß man jenem Mann seine jesuitisch geschriebene Geschichte des Jakobinismus so ungeahndet und unangefochten von Seiten der deutschen Schriftsteller hingehen läßt. Die Frechheit und Unverschämtheit dieser Menschen muß die Nachwelt in Erstaunen versetzen."(18) Und an anderer Stelle betonte er, englische Politiker des Oberhauses stützten 1799 ihr Mißtrauen gegenüber der deutschen Freimaurerei "auf Barruel, der seine Pasquille auf den Freimaurer-Orden, besonders in Rücksicht Deutschlands dem berüchtigten Aloysius Hoffmann und Konsorten nachschrieb, welche die öffentliche Meinung längst gesichtet und verworfen hat, und deren sich ihre eigene Partheit selbst schämt:"(19)

Baruells Vorwurf, die Schüler und Anhänger des Philosophen Kant seien Jakobiner, stellte eine These auf, mit der sich Georg Kerner selbst auseinandersetzte. Kerner sah in diesen Behauptungen einen Beleg für "den unversöhnlichen Haß, den eine gewisse bekannte Rotte den edelsten Menschenfreunden geschworen hat."(20) Den Einfluß und die Macht orthodoxer und konterrevolutionärer Kreise zu brechen war eines seiner Lebensziele.

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Bevor Ziele und Aktivitäten der "Philanthropischen Gesellschaft" analysiert werden, sei ihr aktivstes Mitglied und ihr Mitbegründer kurz vorgestellt. Georg Kerner, der ältere Bruder des Dichters Justinus, wurde am 9. April 1770 als Sohn des Oberamtmannes Christian Ludwig Kerner in Ludwigsburg geboren. Während seines Studiums in Tübingen war der Vater Mitglied der fast nur aus Studenten bestehenden "Loge teutonique":(21)Schon 1779 besuchte Georg Kerner die damalige Militärakademie in Stuttgart, die spätere Hohe Karlsschule. Er studierte Medizin und beendete seine Ausbildung 1791 mit einer Promotion. Zu Beginn der Französischen Revolution gehörte Kerner zu einem geheimen politischen Klub von Karlsschülern, zu deren Aktivitäten 1790 eine nächtliche Feier des 14. Juli zählte. (22)

Gewillt, seine medizinischen Studien zu ergänzen, wandte er sich nach Straßburg und wurde dort Sekretär der "Gesellschaft der Freunde der Konstitution". Er verlor durch seine politische Tätigkeit ein Stipendium und wanderte mittellos nach Paris, wo er vom Ende des Jahres 1791 bis fast zum Sturz der Jakobinerdiktatur lebte. Seinen Lebensunterhalt erwarb er u. a. durch journalistische Arbeiten und verfaßte Augenzeugenberichte für die Zeitschrift "Minerva", deren Herausgeber der Freimaurer Johann Wilhelm von Archenholz war. (23) Seit 1795 war seine Lebensbahn mit der Karl Friedrich Reinhards verbunden, dessen Privatsekretär er bis 1801 blieb. Sein schwäbischer Landsmann, seit 1792 französischer Beamter, von 1795-1797 Gesandter bei den deutschen Hansestädten, mit dem Sitz in Hamburg, übernahm 1798/99 die Gesandtschaftsfunktion am Hof des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana in Florenz und schließlich von 1800 bis 1801 bei der Helvetischen Republik in Bern. Kerners Existenz gestaltete sich in jenen Jahren zu der bewegtesten Epoche seines unruhigen Lebens: eine revolutionäre Odyssee. Seine Reisen, Exkursionen und Stippvisiten, die er im Auftrage Reinhards unternahm, und seine wiederholten Ritte nach Paris, sind selbst für eine Zeit ungewöhnlich, in der eine aufgezwungene Mobilität bestimmter Personenkreise keine Ausnahme bildete.

1801 trennte sich Kerner, enttäuscht von der napoleonischen Machtpolitik, von Frankreich und Reinhard. Der Württemberger entschloß sich 1802, in Hamburg als Arzt zu wirken und begab sich nach einem Konflikt mit Reinhard, der damals dorthin als Gesandter des Niedersächsischen Kreises beordert wurde, nach Kopenhagen. Dort vervollständigte er sein medizinisches Wissen und nach einer Reise durch Südschweden eröffnete er Ende 1803 eine Privatpraxis in Hamburg und spezialisierte sich auf die Geburtshilfe. 1804 heiratete er Johanna Friederike Duncker, die ihrem Mann drei Kinder gebar. So engagiert sich der Schwabe dem ärztlichen Beruf widmete, so entsagte er doch nie politischen Aktivitäten. Als Publizist und als Agent der Städte Bremen und Lübeck versuchte er während der Franzosenzeit, Maßnahmen der französischen Behörden zu beeinflussen. 1812 brach in Hamburg eine Fleckfieberepidemie aus. Kerner, unermüdlich helfend, infizierte sich und starb am 7. April 1812 - zwei Tage vor seinem 42. Geburtstag.(24)

"Ueber keine Anstalt in der Welt, über keine gesellschaftliche Verbindung ist man unbarmherziger hergefallen, als über die Philanthropische Gesellschaft, welche in den Jahren 1797 und 98 in Hamburg existierte". (25)Mit diesen Worten leitete 1802 ein unbekannter Zeitgenosse seine Bemerkungen über die Vereinigung ein. In der Tat erreichte sie europäische Berühmtheit. Es gab Stimmen, die in der Verbindung nichts anderes sahen, als einen gefährlichen Jakobinerklub, eine Revolutionszentrale, die es darauf abgesehen habe, Preußen, England, Dänemark und die norddeutschen Länder in den Umsturz zu treiben. Andererseits wurde festgestellt, es handele sich um eine ganz unbedeutende Gruppierung von sehr jungen Leuten. Ein Präsident der Philanthropen hätte nichts anderes getan, so berichtet der Reiseschriftsteller Garlieb Merkel, als "die Versammlung mit ungeheueren Stößen langweiliger-schwülstiger Oden zu unterhalten. Wer einmal eine solche Vorlesung ausgestanden hatte, kam nicht wieder, und als im November der Magistrat den Club verbot, war dieser schon so verächtlich geworden, daß die Mitglieder desselben sich schämten, zu gestehen, daß sie es wären."(26)

Die divergierende Beurteilung wiederholte sich in der Forschung. Ihr erster Historiker, Adolf Wohlwill, schloß sich in der Tendenz Merkel an und bestritt aufgrund der Aussagen ihrer Mitglieder eine politische Gefährlichkeit. (27) Walter Grab betonte ihren "esoterischen Charakter", wies aber diesem Kreis von "deistischen, antikirchlichen, republikanischen Gebildeten"(28) durchaus mehr Bedeutung zu. Mit Hilfe neuer Archivfunde konnte die 1988 in der DDR verstorbene Hedwig Voegt, die Georg Kerner für unser Jahrhundert wiederentdeckt hat, darauf hinweisen, daß es auf jeden Fall Kerner beabsichtigte, seine Gesellschaft zu einer Urzelle republikanischer Propaganda werden zu lassen: "Es war die Aufgabe der Philanthropischen Gesellschaft, die Ideen der Französischen Revolution zu propagieren. Jedes Mitglied sollte ein Propagandist sein."(29) Ein endgültiges Urteil über diese Frage kann aber erst bei völliger Auswertung des Kerner-Nachlasses getroffen werden. Aufschlußreich ist es aber, daß etwa der spätere Bürgermeister von Bremen, der Freimaurer Johann Smidt, im November 1797 eingeladen wurde, der Gesellschaft beizutreten, die Aktivitäten der Philanthropen sich also nicht auf Hamburg beschränkten.(30)

Als Georg Kerner und seine Freunde die Gesellschaft im April 1797 gründeten, waren es auch die Ideen der Freimaurer, die das Programm der Gruppierung beeinflußten. Kerner war kurz vor der Gründung von einer geheimen Sendung aus Berlin zurückgekehrt und hatte einen ausführlichen Bericht über die politischen Verhältnisse der Stadt nach Paris gesandt. Dabei geht er ausführlich auf die politische Bedeutung der Freimaurer ein. Nach der Zusammenfassung des Berichts durch Adolf Wohlwill glaubte er, "daß eine 'Gesellschaft von Adeligen, Priestern und anderen Egoisten' den Plan entworfen, sich der Freimaurerei zu bedienen, um mit Hilfe dieses Verbandes, welcher früher der Verbreitung des Lichts und der Bekämpfung der Tyrannei gedient, nunmehr den Despotismus zu stärken und die Aristokratie zu verteidigen. Dieses Projekt sei nunmehr in Preußen verwirklicht worden. Die preußische Regierung begünstige die Freimaurer aus politischen Gründen, und es unterliege keinem Zweifel, daß man ähnlichen Gesellschaften auch in Frankreich zu begründen und zu affiliieren suche, um die republikanischen Prinzipien zu bekämpfen."(31) Es ist entscheidend für Kerners Denken und Handeln, daß er einen Monat nach diesen Überlegungen einen Entwurf für die Philanthropische Gesellschaft erarbeitete.

Geht man davon aus, daß Freimaurer für die Vervollkommnung des Menschengeschlechts eintraten und alles taten, - so formulierte es der Freimaurer Friedrich Ludwig Schröder "um Wahrheit zu erforschen, Irrthümer und Vorurteile aufzudecken und zu vermeiden, und so durch vernünftigen Unterricht und veranlaßte Selbstübung aufgeklärte und rechtschaffene Menschen und treue Brüder zu bilden"(32), so könnte man fast meinen, er sei ein Mitglied von Kerners Vereinigung gewesen.

Fordert doch auch das "Moralische Glaubensbekenntniß des Philanthropen", daß er "nur alsdann die Freiheit würdig liebt, wenn er auf die Vervollkommnung seiner Sittlichkeit bedacht ist:" Das Bekenntnis fährt dann fort: "Nur dann rechnet er es sich zur Ehre, der Freiheit seiner Mitmenschen seine Bemühungen zu widmen, wenn er es in der Befreiung seiner selbst von der Tirannei zerstörender Leidenschaften bis auf eine gewisse Höhe gebracht hat. Der Herrschsucht fremd, strebt er allein nach der Herrschaft über sich selbst. Er verehrt alle Tugenden, und sucht sie alle auszuüben. Die Philanthropie, welche ihm die Verbindlichkeit, für andere zu wirken, auferlegt, ertheilte ihm vorher die Weisung, an seiner eigenen Vervollkommnung zu arbeiten. Sie erlaubt ihm nicht, andere zu lieben, wenn er sich selbst geringschätzen muß.

Der Philanthrop ist wahr und gerecht, weil Wahrheit und Gerechtigkeit die ersten, die unerläßlichsten aller Tugenden sind. Die Lüge vergiftet den Mund, der sie ausstößt, und die Ungerechtigkeit verengt das Herz, in dem sie wohnet. Der liebte niemals die Menschen, welcher ihnen die Wahrheit entstellte, oder das Recht verweigerte.

Der Philanthrop ist mäßig und enthaltsam. Er betrachtet die Mäßigkeit und die Enthaltsamkeit als schirmende Tugenden, welche dem Geist die Oberherrschaft bewahren, die die Aufführung des Menschen lenken soll, und ohne die die Würde der menschlichen Natur zernichtet ist, und das denkende Wesen bis zur Thierheit herabsinkt . . .°(33)

Und doch gibt es bei allen Gemeinsamkeiten im Tugendkatalog des Philanthropen und des Freimaurers weltanschauliche Unterschiede. Beschränkte sich die Freimaurerei darauf, ein Menschheitsideal innerhalb eines geschlossenenen Bruderbundes zu verwirklichen, so geht die Hamburger Verbindung der Philanthropen weiter. Sie glaubt, daß sich die Tugend erst findet, die Glückseligkeit sich erst dann einstellt, wenn auch die traditionellen Herrschaftsverhältnisse, die die Herausbildung der guten Eigenschaften des Menschen hemmen, verändert werden. Der entscheidende Programmpunkt, der dann auch im November 1798 mit zum Verbot der Vereinigung führte, lautete:

Der Philanthrop glaubt, daß die Menschen, um glücklicher zu seyn, besser werden müssen; aber er ist überzeugt, daß die Verbesserungen der gesellschaftlichen Einrichtungen die Herrschaft der Sittlichkeit bei den Einzelnen erweitern wird. Er glaubt, daß die Verbesserung der Sitten mit der Verbesserung der bürgerlichen Einrichtungen gleichen Schritt gehen muß, und daß sie wechselweise sich vorbereiten und begründen. (34) Den Unterschied formulierte auch ungewollt ein Zeitgenosse, wenn er erwähnt, daß Titel bei den Philanthropen verpönt waren und das brüderliche Du benutzt wurde: "so wie die Freimaurer sich Brüder nennen, so nannten die Philanthropen sich Bürger."(35)

Die Philanthropische Gesellschaft hatte auch andere Vorbilder. Bewußt erinnerte Georg Kerner an die Jakobinerklubs zur Zeit ihrer Entstehung, deren Wollen er gutheißt, ohne deren spätere Auswüchse zu entschuldigen. Ihre Schließung kreidet er der Aristokratie und dem Royalismus an. Was ihm vorschwebte war eine Wiedergeburt jener Gesellschaften, wo "wenige takräftige Männer" sich im republikanischem Geiste vereinigen und so in allen Ländern "brüderliche Pakte schließen und durch ihre Einigkeit und ihre Tugenden die Tyrannen und die Tyrannei besiegen." (36)

Zu den Einflüssen, die zur Gründung der Vereinigung führten, haben Zeitgenossen und Historiker das Wirken der Theo-Philanthropen in Paris und anderen Städten gerechnet. Das ist insofern ein Irrtum, da die Freiheitsfreunde in Hamburg selbst pseudoreligiöse Kulte verabscheuten und die "Achtung aller religiöser Meinung" (37) gewährleisteten. Das 'Glaubensbekenntnis' bekundet: "Der Philanthrop endlich, ehrt nicht nur die Sittlichkeit, sondern auch die Religion. Das heißt, er glaubt das Daseyn eines höchsten Wesens, als moralischen Regierers des Weltalls, und ein künftiges Leben."(38)Als Kerner vor den Mitgliedern über eine Unterredung mit dem Hamburger Prätor Schulte berichtete, bemerkte er: "Herr Schulte hat sich dann erkundigt, ob ich nicht Kenntnis einer theophilanthropischen Gesellschaft hätte, die sich bei einem gewissen Bürger namens Mercier versammele. Ich antwortete ihm, daß durch diese Gesellschaft ein Verleumder die unsere ankreiden wolle in der perfiden Absicht mit Hilfe dieser falschen Benennung gegen uns, die Wut aller orthodoxen Priester zu erwecken."(39)

Will man schon einen Vergleich mit französischen Vereinigungen jener Zeit wagen, so fühlten sich die Philanthropen der bürgerlich-republikanischen Partei Frankreichs verbunden, deren anti-royalistische, antiterroristische und antiklerikale Ansichten sie teilten. Die radikalen bürgerlichen Republikaner hatten sich 1797 --- zu einem Zeitpunkt allerdings als die Philanthropische Gesellschaft schon bestand - als Organisation den "Cercle constitutionell" geschaffen. Kerner hat dann die programmatische Rede des französischen Republikaners Honore Riouffe, die dieser am 23. Juni 1797 in Paris gehalten hatte, ins Deutsche übersetzt. Sein Verleger war Gottfried Vollmer, der in Altona u.a. die Schriften Rebmanns vertrieb und dessen mutiges Verlagspro-gramm noch einer Anerkennung harrt.

In einer längeren Vorrede, die Kerner bewußt auf den 14. Juli 1797 datierte, warnte er recht intensiv vor der Übermacht der Feinde der Republik und tadelte die "feige Bösartigkeit" der Konterrevolution, "womit sie siegjubelnd die Tausend Winkel durchfliegt, in denen Betrug und Leichtsinn, Frechheit und Üppigkeit, Dummheit und Vorurteil unter dem Vorsitz von Pfaffen und Priviligierten, alle gegen Tugend --- Menschheit und Freiheit verschworen --- nach der Wiederkehr des Königtums seufzen."(40) Riouffes "Rede über die Gefahren, die das Innere der fränkischen Republik und das republikanische System bedrohen" handelt davon, daß die Vereinigung der französischen Republikaner unumgänglich sei, um die Machenschaften der Reaktion zu bekämpfen. Über die Ziele des "Cercle constitutionell" führt Riouffe aus: "Unser Zweck ist, das Volk, das man zu verblenden sucht, aufzuklären, und ihm die Stimme seiner wahren und unveränderlichen Freude wieder vernehmlich zu machen. Was unsere Mittel betrifft, diese schöpfen wir in dem Recht, das allen Bürgern zukommt, ihre Gedanken in ihren Reden und Schriften zu offenbaren; unsere Mittel bestehen darin, einen gemeinschaftlichen Punkt zu haben (...), wo man republikanische Haltung wieder annehme, welcher so oft den Royalismus zu Boden geworfen hat." (41)

Eine letzte Renaissance des politischen Klubwesens trat aber erst mit dem Staatsstreich in Paris vom 18. Fructidor des Jahres V (4. September 1797) ein. Vorher wurden die französischen Verfassungsbestimmungen so ausgelegt, daß politische Vereinigungen recht ungern gesehen wurden und man sie verfolgte. Erst nach dem 18. Fructidor bildeten sich in ganz Frankreich und in den eroberten Gebieten konstitutionelle Zirkel und Klubs, deren Initiativen und Wirkungsmöglich-keiten aber schon zu Beginn des Jahres 1798 beschränkt wurden. Georg Kerner hat vor allem die Vereinigung in Köln, die recht bedeutsam war besucht(42)

Mit welchem Mißtrauen nicht nur Emigranten und royalistische Widersacher das Aufleben dieser Vereinigungen beobachteten, belegt ein Kommentar des liberalen Publizisten August von Hennings. Mit Genugtuung kommentiert er die Schließung von konstitutionellen Zirkeln in Frankreich im März 1798 durch das Direktorium. In diesem Zusammenhang erwähnt er die Philanthropische Gesellschaft. Er fordert ihre Schließung. Hennings argumentierte, daß man zwar in seinem Haus machen könne, was man wolle, um dann festzustellen: "Es ist aber durchaus tumultarisch und ein offenbar gewaltsamer Eingriff in das Menschenrecht eines anderen, wenn man außer seinem Haus herausgeht, und einzeln oder in Verbindung mit anderen auf andere wirken will . . :" (43) Hennings Angriff ist erstaunlich, weil er selbst Freimaurer und Illuminat war und von der konservativen Publizistik angegriffen wurde.

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Für die Aktivitäten der Gesellschaft während jener Zeit, als Kerner ihr Motor war, ist ein Blick auf die Mitglieder der Vereinigung aufschlußreich. In einer Selbstdarstellung der Philanthropen heißt es: "Die Zahl ihrer ursprünglichen Mitglieder belief sich auf sechs. Hierunter befanden sich zwey Franzosen, zwey Deutsche, ein Schweizer und ein Bataver."(44) Da Georg Kerner in Frankreich sein Vaterland sah, wird er selbst zu einem der Franzosen gerechnet werden dürfen. Der zweite Franzose war vermutlich Kerners 1768 geborener Kollege Jean Benedict Lemaitre, der Legationssekretär Karl Friedrich Reinhards war. Er gehörte zudem der Loge "Carl zum Felsen" in Hamburg an. (45) Zu den deutschen Gründungsmitgliedern ist der Freimaurer Johann Heinrich de Chaufepié (1773-1855) zu rechnen.(46) Der junge Hamburger Arzt war schon vor der Gründung der Philanthropischen Gesellschaft mit Kerner befreundet und schrieb ihm am 3. Mai 1796 nach Paris: "Lieber Kerner, so kurz wie Ihr Hamburger Aufenthalt auch war, so ist er doch für mich lang genug gewesen, um unsere alte, fast abgestorbene Bekanntschaft zu einem unvergleichlichen Freundschafts-Bündnisse zu erheben."(47) Seine revolutionären Hoffnungen formulierte er in einem weiteren Brief vom 6. Juli 1796, als er feststellte: "Mögen die siegreichen Waffen der Franken uns einen baldigen Frieden geben und das schutzreiche Panier der huldreichen Freyheit auch bald in unseren Gegenden wehen." (48)

Eine wichtige Schlüsselfigur der Vereinigung ist aber in Kerners engstem Vertrauten, dem "Bataver" Johann Gotthard Reinhold (1771-1838) zu sehen. Beide verband eine Jugendfreundschaft, die sie schon als kaum Zehnjährige an der Militär-Akademie in Stuttgart sich geschworen hatten. Der in Amsterdam aufgewachsene Reinhold wurde durch die Initiative seines Freundes im Jahre 1795 Gesandtschaftssekretär der batavischen Republik beim niedersächsi-schen Kreis. Er war auch zur Zeit des Bestehens der Philanthropischen Gesellschaft wichtigster Adressat von Informationen, die ihm Kerner von seinen politischen Missionen zusandte.(49)

Über die weitere Entwicklung der Mitgliederzahl äußerte die erwähnte Selbstdarstellung, daß sie sich nur langsam und unbeträchtlich" (50) vermehrt habe. Gesichert ist, daß die Juristen Dr. Theodor Hasche (1769-1854) und Dr. Nicolaus Hartwig Petzold (1773-1806) zumindest die Philanthropen besuchten. Zudem waren die Hamburger Freimaurer, der evangelische Theologe Karl Johann Heinrich Hübbe (1764-1855) und der Kaufmann Conrad Meckenhäuser (geb. 1766) der Gesellschaft verbunden. (51)

Während des Bestehens der Philanthropischen Gesellschaft schlossen sich auch viele Franzosen der Vereinigung an, von denen oft fast nur der Name bekannt ist, wie etwa Pillet, Marienval oder selbst Lamarque. Eine wichtigere Rolle spielte dagegen vor dem Erscheinen des Jakobiners Leonard Bourdons, das noch erwähnt werden wird, der französische Publizist Charles André Mercier, dessen republikanisches Wirken in Hamburg seit 1792 öfter bezeugt ist.(52)

Entsprechend ihrem Programm verschlossen sich die Philanthropen nicht den Juden. Neben Männern wie Zadig und Marcus, die nur namentlich bekannt sind, wirkte in der Verbindung der bedeutende Chaim Salomon Pappenheimer, der hier zuerst nur genannt werden soll. Schatzmeister der Philanthropen war vorübergehend Friedrich Alexander Bran (1767-1831), dem Georg Kerner nach seinem endgültigen Bleiben in Hamburg freundschaftlich verbunden blieb. In Brans Zeitschrift, den "Nordischen Miscellen" (1804 -1810) veröffentlichte er die bisher nie gewürdigten politischen Nachdenklichkeiten vor seinem frühen Tod. (53)

Der Hauptzweck der Gesellschaft zielte darauf, so gestanden es die Philanthropen selbst, in öffentlichen Sitzungen "Aufsätze über moralische und politische Gegenstände, Debatten, Mittheilungen von wichtigen Ereignissen, Vorschläge zur Beförderung gemeinnütziger Zwecke" (54) zu entfalten. Entsprechend der Zusammensetzung der Vereinigung, ihrer republikanischen Gesinnung stand die Beschäftigung mit politischen Ereignissen Frankreichs im Vordergrund. Wie schon bei der Übersetzung der Rede des Franzosen Riouffe gezeigt wurde, ging es darum, republikanisches Bewußtsein zu zeigen, Siege der französischen Soldaten zu feiern und die revolutionären Feiertage zu achten. Eine Rede Kerners, in der er über eine Fußwanderung nach Holstein berichtete und die Armut der Bauern beschrieb, gipfelte in dem Bekenntnis: "Alles, was ich sah, hat im Gegenteil dazu geführt, meinen Haß auf das Königtum und auf das monarchische System zu befestigen ein Haß, der erst mit meinem letzten Seufzer enden wird und dessen schönen Schwur ich morgen erneuern zu können hoffe, einstimmig mit den Patrioten, die den schönen Tag des 14. Juli feiern werden. Dies bleibt ein für alle Zeiten denkwürdiger Tag - der nach zwölf Jahrhunderten des Despotismus die Freiheit auf die Erde hat zurückkehren sehen, die Kronen niederzumähen und die Nationen aus dem Abgrund hervortreten zu lassen, in dem die Hand der Tyrannei sie festhielt." (55) In der Tat haben Kerner und seine Freunde an einer größeren Feier zum 14. Juli 1797 teilgenommen. (56)

Besondere Beachtung erlangte damals ein "Schreiben der philanthropischen Gesellschaft an den Bürger Sieyes, als er meuchelmörderischer Weise angefallen worden war". Der Brief äußerte Freude darüber, daß der französische Politiker und Freimaurer Emmanuel-Joseph Sieyes, den Kerner enthusiastisch verehrte, am 10. April 1797 einem Attentat entgangen war. Er lautet:

Bürger!

Die französische Republik war im Begriff, einen ihrer besten Bürger zu verlieren; die Menschheit hat einen Augenblick für das Leben eines ihrer eifrigsten Freunde gezittert. Zwar ist der Dolch des Fanatism, wider das Herz des Gerechten gerichtet, kein neues Schauspiel, aber er hatte seinen schönsten Raub für unsere Zeiten aufbewahrt, und mit seinem Stosse wollte er den Apostel der Philosophie, den Patrioten, und den Philanthropen von der Erde vertilgen. Doch dieser Triumph war nicht bestimmt, seine schändlichen Pläne zu krönen, und ein schirmender Arm hat den Streich abgewandt, welcher alle freien Männer, die auf der Erde verbreitet sind, in Trauer versenkt hätte. Sie leben, Bürger; der Fanatism erndtet den Abscheu seines Verbrechens, statt dessen Frucht zu erndten, und noch einmal triumphiert die Menschheit.

Ja, die ganze Menschheit frohlockt. Sollte es nur Franzosen vergönnt seyn, bey dieser Gelegenheit ihre Empfindungen frei an den Tag zu legen? Nein, der Freund des menschlichen Geschlechts gehört nicht ausschließlich der Nazion an, die ihn in ihrer Mitte besitzt. Alle Menschen haben einen Antheil an seinem Herzen, alle haben die Frucht seiner Lehren und seiner Handlungen genossen. Ihnen allen ward also das Recht, ihr Freudengeschrei mit den Hymnen des Vaterlandes zu vereinigen, und nur die Grundsätze dürfen hier bestimmen, wer der Fremde und wer der Mitbürger sey.

Unter der Aegide dieser Gesinnungen, Bürger, hat eine Gesellschaft von Philanthropen, von verschiedenen Nazionen, in dieser Stadt unter dem Namen der philantropischen Gesellschaft vereinigt, geglaubt, es wagen zu dürfen, bei einer so außerordentlichen Veranlassung Ihnen einen schwachen Abriß ihrer Gefühle und ihrer Wünsche darzubieten. Beschränkt in unserem Wirken, in unseren Absichten bescheiden, haben wir nicht den Stolz, Ihre Aufmerksamkeit auf uns ziehen zu wollen: das Verlangen, der Menschheit nüzlich zu werden, hat uns verbunden; wir wünschen, daß unsere Handlungen reden und unsere Namen von keiner Lippe genannt werden. Ein Drang, zu gewaltig, um widerstanden zu werden, hat uns heute kühn gemacht, indem wir Ihnen schreiben: schwerlich könnten wir die ausschließlichen Ansprüche anführen, welche uns dazu berechtigen, aber in dem Grunde unserer Herzen haben wir unsere Apologie zu finden geglaubt. Sollte es bei Ihnen einer anderen Rechtfertigung bedürfen?

Empfangen Sie demnach den Tribut, den wir Ihnen entrichten. Zählen Sie uns zu denjenigen, welche die schreckliche Begebenheit, die Ihr Leben bedroht hat, am tiefsten erschütterte, zu denen, welche die lebhafteste Freude empfunden haben, als sie vernahmen, daß sie der Welt nicht würden entrissen werden. Möge ihr Vaterland und die Menschheit noch lange ein so theures Leben behalten, und mögen Sie leben, um das Reich der Freiheit und Gerechtigkeit bei allen Völkern gegründet und befestigt zu sehn, welche Ihre Lehre unterrichtet, und ihre Handlungen mit Bewunderung durchdrungen haben.

Heil und Ehrerbietung!

Die Philanthropische Gesellschaft in Hamburg. (57)

Das französische Original weist folgende Unterschriften auf: "Lemaitre Président; Reinhold, G. Kerner Secrétairs".(58) Der Franzose bedankte sich in einem freundlichen Brief und schloß seine Zeilen mit den Worten: "Empfangen Sie, Bürger, den Bruderkuß von einem Manne, welcher für die Freiheit gelebt und gelitten hat, und welcher bereit ist für sie, wenn es seyn muß, zu sterben."(59)

Ein weiteres Ziel der Vereinigung war der Kampf für die bürgerliche Gleichstellung der Juden. In einer Privatschule, die der Gesellschaft angeschlossen werden sollte, hätten Schüler "ohne Unterschied der Religion aufgenommen" (60) werden können. Dies bedeutete für Hamburg vor allem, daß jüdische Schüler die Schule hätten besuchen können. Besonders engagiert setzte sich der schlesische Rabbinersohn Chaim Salomon Pappenheimer (1769-1832) für die Gleichberech-tigung der Juden ein. Pappenheimer der vermutlich schon Mitglied der Loge "Einigkeit und Toleranz" gewesen war, zählte damals zu den markantesten Freiheitsfreunden in Hamburg und Altona. Als Mitarbeiter des schon erwähnten Johann Wilhelm von Archenholz an dessen "Minerva" hatte er u. a. die Protokolle des Pariser Jakobinerklubs von 1792 ins Deutsche übersetzt.(61) Am 15. März 1798 hat er den Philanthropen Überlegungen vorgelegt, die dazu beitragen sollten "jene abgeschmackten Vorurteile abzulegen, die seit einer langen Reihe von Jahrhunderten, die jüdische Sekte herabwürdigen.(62) Die Mitglieder planten die Abhandlung an den Kongreß in Rastatt zu senden, was unterblieb, da ein Philanthrop über die spektakuläre Öffentlichkeit dieses Schrittes besorgt war.

Als Pappenheimer seine Rede über die bürgerliche Benachteilung der Juden hielt, hatte Kerner schon zusammen mit seinem Vorgesetzten und dessen Frau Christine Reinhard Reimarus Hamburg verlassen, um in Florenz und Italien weiter für seine Ideale zu fechten. In der darauf folgenden Sitzung erinnerte sein Freund Reinhold noch einmal an die Ziele des Gründers: "Kerner betrachtete unsere Gesellschaft als das Asyl des Freyheitsgeistes in diesen Gegenden, als ein Centrum, an dem sich in Zukunft alle Männer vereinigen dürften, welche werth seien, die große Sache der Menschheit zu verteidigen. Die Organisation habe noch keinen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht, Kerner hoffe aber auf die zukünftige Entwicklung derselben und vertraue darauf, daß auch eine kleine Mitgliederzahl imstande sei, ein achtungsgebietendes Quantum von Einsicht und Energie darzustellen."(63)

Die Gesellschaft bestand nach Kerners Weggang nicht mehr viel länger als acht Monate. Sie erreichte aber erst jetzt jene europäische Beachtung, die schließlich zu ihrem Verbot führte. Ein Grund dafür war, daß im Januar 1798 der Franzose Leonard Bourdon mit diplomatischen Missionen nach Hamburg kam. Am 24. Februar hielt er, der vor allem wegen seiner jakobinischen Vergangenheit die Hamburger erschauern ließ, eine viel beachtete Rede, die anregte, daß sich die republikanischen Franzosen in Hamburg zu einem Klub vereinigen sollten. Nachdem er die Freiheit der Religionsgemeinschaften erwähnt hatte, die sich ungestraft versammeln dürften, fragt er: "Wie sollten sich französische Republikaner - diese Verehrer von Freiheit und Gleichheit - nicht an denen durch das Gesetz geheiligten Tagen versammeln, um jene ihre geliebten Gottheiten zu verherrlichen, die Siege und Triumphe der dreifarbigen Fahne zu besingen, die bürgerlichen Hymnen zu wiederholen, deren Ton ganze Bataillonen von Sklaven zerstreute . . " (64)

Obgleich Bourdon, sieht man davon ab, daß nur Franzosen Mitglieder des Klubs sein sollten und wohl an eine größere Mitgliederzahl gedacht war, teils mit Absichten Kerners übereinstimmte, so scheiterte doch sein Plan.

Am 2. März 1798 wiederholte ein Ratsmandat das Verbot von geheimen Gesellschaften und zielte dabei eindeutig auf Bourdons Projekt. Er selbst, dessen Schritte argwöhnisch bespitzelt wurden und der vor allem mit Johann Christoph Unzer und Pappenheimer Gesinnungsgenossen fand, (65) schloß sich daraufhin der Philanthropischen Gesellschaft an. Wenn auch seine agitatorische Tätigkeit dort nicht lange dauerte, Bourdon verließ Hamburg schon am 20. April 1798, so bewirkte sie doch, daß man in der Vereinigung einen gefährlichen Stützpunkt französischer Propaganda sah, der die Revolutionierung Norddeutschlands und Dänemarks beabsichtige.

Diese Furcht wurde genährt, weil sich in der Schweiz und in Italien Tochterrepubliken Frankreichs gebildet hatten. In eher gemäßigten Reden, die in der Philanthropischen Gesellschaft am 2. Mai und 26. Juli 1798 gehalten wurden und in der Zeitschrift Rebmanns, der "Geißel" abgedruckt wurden, würdigte man diese Ereignisse als einen Fortschritt der Menschheit.(66)

Die konservative Publizistik mutmaßte nun, es gäbe auch Pläne der Franzosen, mit Hilfe norddeutscher Republikaner eine Albingische Republik zu schaffen. Der französische Emigrant August Danican, der ganz im Sinne der Verschwörungstheorie argumentierte, sah in dem neuen französischen Gesandten in Hamburg, Claude Roberjot, den Initiator dieses Plans. Danican führte aus: "Dieser Robertjot hat in Hamburg sehr viel gethan. Die Jakobiner erwarteten nur das Anrücken der Franzosen gegen Hannover, um den Baum des Verbrechens und des Unsinns aufzupflanzen."(67) Für den Stil pauschaler Verunglimpfungen ist es typisch, wenn er fortfährt, daß Roberjot zwar eine vorteilhafte Erscheinung und angenehme Manieren habe, aber dann betont: "Diejenigen aber die auf den Stirnen und in den Augen lesen können, sehen in ihm einen frommen Heuchler, einen Hurenhengst und einen Jakobiner, der um seiner Geilheit ein Genüge zu thun, ein junges Mädchen, eine ehemalige Nonne, geheurathet."(68)

Durch derartige Publikationen, durch die Änderung der französischen Politik, der nicht mehr an politischen Gesellschaften gelegen war und durch den diplomatischen Druck Österreichs, Preußens und Rußlands wurde dann die Philanthropische Gesellschaft im November 1798 verboten.

Als sie schon aufgelöst war, hieß es zu Beginn des Jahres 1799 in einem Bericht des englischen Unterhauses: "Neulich hat sich in Hamburg, Altona und der Nachbarschaft eine Gesellschaft gebildet, die sich 'Philanthropische Gesellschaft' nennt, die beabsichtigt, mit den Republikanern aller Länder zu korrespondieren, darunter auch mit den Gesellschaften in Großbritannien und Irland; ihre unverhohlene Absicht ist der Umsturz aller Königreiche und Staaten. Die führenden Mitglieder dieser Vereinigung, die alle übrigen beherrschen, setzten sich aus ungefähr 20 Personen zusammen: Engländer, Franzosen, Holländern und Deutschen. Die Mitglieder der untergeordneten Gesellschaften in Hamburg und Altona sind alle unter Kontrolle der Leiter dieser Hauptgesellschaft. Die leitenden Personen korrespondieren ununterbrochen mit Großbritannien und allen Teilen Deutschlands. Es gibt geschickte Sekretäre aller Sprachen und korrespondierende Agenten in verschiedenen Städten, besonders in London . . :" (69)

Man kann diese Bemerkungen als eine maßlose Übertreibung sehen, eine Übertreibung, die bisherige Angriffe der Vertreter der Verschwörungstheorie wie sie etwa Schirach vortrug, ins Abstruse steigerte. Es ist aber zudem zu erwägen, sie als einen Traum Georg Kerner einzuschätzen, einen Traum von Männern, die über alle Grenzen hinweg miteinander verbunden sind, von Männern, die Tugend und Glückseligkeit verwirklichen wollten, einen Traum von einer beginnenden Weltrepublik.


ANMERKUNGEN

1
Vgl. u. a.
- Adolf Rossberg, Freimaurerei und Politik im Zeitalter der Französischen Revolution. Berlin 1942
- Klaus Epstein, Die Ursprünge des Konservativismus in Deutschland. Der Ausgangspunkt: Die Herausforderung durch die Französische Revolution 1770-1806. Aus dem Englischen von Johann Zischler. Frankfurt/M., Berlin, Wien 1973;
- Johannes Rogalla von Bieberstein, Die These von der Verschwörung 1789-1945. Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als "Verschwörer" gegen die Sozialordnung. Bern 1976;
- Manfred Agethen, Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. München 1984; vgl. zudem den
- Forschungsbericht von Helmut Reinalter, Freimaurerei und Geheimgesellschaften im 18. Jahrhundert - Überlegungen zu einigen Neuerscheinungen. In: Quatuor Coronati. Jahrbuch 1987, Nr. 24. Bayreuth 1987. S. 241-254.

2
Denunciation an alle Mächte in Europa, von einem Verschwörungs-Plane gegen die allgemeine Ruhe. Nebst einer Rede im Club der Propaganda zu Paris. In: Politisches Journal, achtes Stück, Hamburg August 1790. S. 837.
Vgl. dazu
Rogalla von Bieberstein, Die These . . . (Anm. 1) S. 96 f. Demnach stammte die 'Denunciation' aus der Feder des französischen Emigranten Comte d'Antraigue und versuchte "durch gezielte Falschinformation zum antirevolutionären Kampf anzustacheln:" (S. 97).

3
Zitiert nach Johannes Rogalla von Bieberstein, Die These von der Verschwörung 1789-1945. Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als "Verschwörer" gegen die Sozialordnung. Bern 1976; S. 96.

4
Politisches Journal, August 1790. S. 837.

5
Mißlungene Versuche der Französischen Propaganda in Italien, in Holland, in Sachsen, in Ungarn. In: Politisches Journal, September 1790. S. 963 - 965.

6
Propaganda. Beweise. Weitere Nachrichten. In: Politisches Journal, Juni 1791. S. 589. - Eine wichtige Zusammenfassung seiner These schrieb Schirach im November 1794: Merkwürdige Entdeckungen von den Jakobinern, und dem geheimen Gange der französischen Revolution. In: Politisches Journal, Nov. 1794, S. 1145 -1157. Erlegt dort recht kompliziert dar, die Revolution sei ein Ereignis, das durch die "geheimen Dirigenten", die verschmiztesten Köpfe Frankreichs und hohe Illuminaten" (S. 1146) in Szene gesetzt worden sei und werde. - Im Aprilheft des Jahrgangs 1794 rückte Schirach den Artikel ein "Zur Beruhigung, und zur Ehre des edlen Frey-Maurer-Ordens." (S. 350 - 352). Die Loge Joseph zur Einigkeit in Nürnberg distanzierte sich dort vor Verdächtigungen. Zum Schluß der Erklärung heißt es: "Wir erklären endlich, daß wozu auch immer von anderen Nationen unser erhabener und ehrwürdiger Orden mißbraucht worden seyn möchte, der teutsche Maurer jederzeit denjenigen Ernst, Würde, Redlichkeit und Biedersinn, in unsere Versammlungen und zu unsern Arbeiten mitbringen werde, der der Charakter seiner Nation ist." (S. 352). - Zu Schirach und seiner Publizistik vgl.: Helga Boulay, La chute de la monarchie vue par trois périodique de Hambourg. (Politisches Journal, Minerva, Niedersächsischer Merkur). In: Armales de la Révolution française. No. 255 - 256. Paris 1984. S. 204 - 228.

7
(August Georg Friedrich Rebmann), Obscuranten-Almanach auf das Jahr 1798. Paris 1798. S. 296. Über Rebmann vgl.:
Rainer Kawa, Georg Friedrich Rebmann (1768-1824). Studien zu Leben und Werk eines deutschen Jakobiners. Bonn 1980.

8
Vgl. Walter Grab, Demokratische Strömungen in Hamburg und Schleswig-Holstein zur Zeit der ersten Französischen Republik. Hamburg 1966. S. 95-100.

9
Verbot aller geheimen verdächtigen Gesellschaften, des unvorsichtigen Raisonnement über politische Angelegenheiten, und des Drucks und Verkaufs der Schriften, worin die Regierungen unanständig und boshaft beurtheilt werden. In: Christian Daniel Anderson, Sammlung Hamburgischer Verordnungen. 4. Bd., Hamburg 1797. S. 42.

10
Gerda Lettner, Das Rückzuggefecht der Aufklärung in Wien. 1790-1792. Frankfurt/M., New York 1988. S. 97.

11
Johannes Rogalla von Bieberstein, Die These von der Verschwörung 1789-1945. Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als "Verschwörer" gegen die Sozialordnung. Bern 1976; S.104

12
Zu Bode vgl. Manfred Agethen, Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. München 1984; S.279ff. Verwunderlich ist es, daß bis heute keine Biographie Bodes geschrieben wurde.

13
Klencke (Hg.), Aus einer alten Kiste. Originalbriefe, Handschriften und Documente aus dem Nachlasse eines bekannten Mannes. (= Adolph Freiherr von Knigge). Leipzig 1853. S. 186.

14
Klaus Epstein, Die Ursprünge des Konservativismus in Deutschland. Der Ausgangspunkt: Die Herausforderung durch die Französische Revolution 1770-1806. Aus dem Englischen von Johann Zischler. Frankfurt/M., Berlin, Wien 1973; S. 620ff.

15
G. F. Rebmann, Die Wächter der Burg Zion. Nachricht von einem geheimen Bunde gegen Regenten- und Völkerglück; und Enthüllung der einzigen wahren Propaganda in Deutschland. Hamburg 1796. S. 31 f.

16
Johannes Rogalla von Bieberstein, Die These von der Verschwörung 1789-1945. Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als "Verschwörer" gegen die Sozialordnung. Bern 1976; S.113.´
zu Barruel vgl.:
Sylva Schaeper-Wimmer, Augustin Barruel, S. J. (1741-1820). Studien zu Biographie und Werk. Frankfurt/M., Bern, New York 1985.

17
Abbe Barruels Nachrichten zur Erörterung der Geschichte, der Entstehung, der Fortschritte und Folgen der Jakobiner in und außer Frankreich. London 1802. S. 374.

18
(anonym), Ueber die ehemalige philanthropische Gesellschaft in Hamburg. In: Hamburg und  Altona. 1802. 9. Heft, S. 282 - 288 und 10. Heft, S. 93 -111. Hier S. 288.

19
(anonym), Ueber die ehemalige philanthropische Gesellschaft in Hamburg. In: Hamburg und Altona. 1802. 9. Heft, S. 282 - 288 und 10. Heft, S. 93 -111. Hier S. 103.

20
Honoré Riouffe, Rede über die Gefahren, die das Innere der fränkischen Republik und das republikanische System bedrohen. Gehalten im constitutionellen Cirkel zu Paris. Übersetzt und mit Anmerkungen herausgegeben von Georg Kerner, Hamburg 1797. S. 28.

21
Vgl. Fritz Bolle, Die Tübinger Akademische Loge als Deutschritter-Loge. In: 500 Jahre Eberhard-Karls-Universität Tübingen. 1477-1977. Tübingen 1977. S. 145;
In Justinus Kerners Biographie "Das Bilderbuch meiner Knabenzeit" heißt es: "Mein Vater war Freimaurer und hielt auf diese Verbrüderung. Es war in unserem Hause ein eigenes Zimmer, das zur Freimaurerloge bestimmt war, man hielt es vor uns Kindern immer sehr verschlossen." Zit. nach Gunter Grimm (Hg. ), Justinus Kerner. Ausgewählte Werke. Stuttgart 1981, S. 191.

22
Vgl. Heinrich Wagner, Geschichte der Hohen Carls-Schule. Würzburg 1856. 1. Bd. S. 214 ff.

23
Vgl. Jacques D'Hondt, Verborgene Quelle des Hegelschen Denkens. Berlin 19832. Das Buch berücksichtigt besonders Verbindungen von Archenholz zu Freimaurern. Ähnliche Verbindungen lassen sich auch für Georg Kerner aufweisen. D'Hondt führt aus: "Bei Forschungen über Hegel und seine Umgebung stößt man auf die Namen vieler Personen, mit denen Archenholz in Verkehr stand, fast alles Freimaurer und Illuminaten: der berühmte Wieland, Schillers Freund Körner; Georg Forster . . .; Forsters Gefährte Sömmering . . .; Campe, der Pädagoge der 'Aufklärung' und Bewunderer der Französischen Revolution, und auch Gleim . . .; Georg Kerner, der schwäbische Revolutionär und Sekretär Reinhards; Schlabrendorff, der Mentor der als Beobachter der großen Erschütterungen nach Paris gekommenen Deutschen; Sieveking und Reimarus, zeitweilig Propagandisten der revolutionären Ideen in Hamburg:" (S. 16)

24
Zu Kerner neuerdings: Uwe Jens Wandel, Geheimagenten an die deutschen Universitäten. Georg Kerners Plan zur Zeit der Französischen Revolution. Ein Werkstattbericht. In: Bausteine zur Tübinger Universitätsgeschichte. 3. Folge, 1987. S. 47-58; Hans-Werner Engels, Republikaner ohne Republik. Georg Kerners 'Reisen' 1796-1801. In: Wolfgang Griep und Hans Wolf Jäger (Hg.), Europäische Reiseliteratur im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Heidelberg 1988. (Im Druck).

25
(anonym), Ueber die ehemalige philanthropische Gesellschaft in Hamburg. In: Hamburg und
Altona. 1802. 9. Heft, S. 282 - 288 und 10. Heft, S. 93 -111. Hier S. 282.

26
Garlieb Merkel, Briefe über Hamburg und Lübeck. Leipzig 1801. S. 328.

27
Vgl. besonders Adolf Wohlwill, Die angeblichen revolutionären Klubs in Hamburg, insbesondere während des Jahres 1798. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 7, 1883. S. 346 368; ders., Georg Kerner. Ein deutsches Lebensbild aus dem Zeitalter der Revolution. Hamburg und Leipzig 1886.

28
Walter Grab, Demokratische Strömungen in Hamburg und Schleswig-Holstein zur Zeit der ersten Französischen Republik. Hamburg 1966. S. 206.

29
Hedwig Voegt (Hg.), Georg Kerner. Jakobiner und Armenarzt. Reisebriefe. Berichte. Lebenszeugnisse. Berlin (Ost) 1978. S. 49. Vgl. dazu
Hans-Werner Engels, Georg Kerner. Ein deutscher Republikaner im Zeitalter der Französischen Revolution. In: Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte, Universität Tel-Aviv, IX 1980. S. 475 -483.

30
Vgl. Wilhelm von Bippen, Johann Smidt, ein hanseatischer Staatsmann. Stuttgart und Berlin 1921. S. 48 f.

31
Adolf Wohlwill, Georg Kerner. Ein deutsches Lebensbild aus dem Zeitalter der Revolution. Hamburg und Leipzig 1886. S.114.

32
Friedrich Ludwig Schröder, "Ritualwerk". Reprint des 1816 erschienenen Werks durch den Arbeitszirkel Quatuor Coronati Hamburgensis. Hamburg 1987. S. 40.

33
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 29.

34
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 28.

35
(anonym), Ueber die ehemalige philanthropische Gesellschaft in Hamburg. In: Hamburg und
Altona. 1802. 9. Heft, S. 282 - 288 und 10. Heft, S. 93 -111. Hier S. 96.

36
Hedwig Voegt (Hg.), Georg Kerner. Jakobiner und Armenarzt. Reisebriefe. Berichte. Lebenszeugnisse. Berlin (Ost) 1978. S. 326

37
Hedwig Voegt (Hg.), Georg Kerner. Jakobiner und Armenarzt. Reisebriefe. Berichte. Lebenszeugnisse. Berlin (Ost) 1978. S. 481.

38
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 35.

39
Bericht des Bürgers Kerner vor der Philanthropischen Gesellschaft in Fasc. 2, No. 21:
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 21.) S. ??

40
Hedwig Voegt (Hg.), Georg Kerner. Jakobiner und Armenarzt. Reisebriefe. Berichte. Lebenszeugnisse. Berlin (Ost) 1978. S. 326

41
Honoré Riouffe, Rede über die Gefahren, die das Innere der fränkischen Republik und das republikanische System bedrohen. Gehalten im constitutionellen Cirkel zu Paris. Übersetzt und mit Anmerkungen herausgegeben von Georg Kerner, Hamburg 1797. S. 8f.

42
Vgl. Axel Kuhn, Jakobiner im Rheinland. Der Kölner konstitutionelle Zirkel von 1798. Stuttgart 1976. Kerner besuchte den Zirkel bei einer Rückreise von Paris. Vgl. Voegt, S. 478.

43
August von Hennings, Der Genius der Zeit, Mai 1798, S. 69 f. Zu Hennings neuerdings: Erika Süllwold, "Der Genius der Zeit". Konstitution und Scheitern eines Modells von Aufklärungsöffentlichkeit. Köln 1985.

44
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 19.

45
Ich verdanke diese Information und weitere Hinweise Friedrich John Böttner.

46
Vgl. Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. 8 Bände. Hamburg 1851-1883. Hier 1. Band, 1851, S. 521.

47
Die Briefe befinden sich als Teilnachlaß Georg Kerners im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Ich verdanke die Einsicht in diese Dokumente Ulrike Müller-Link. Für Übersetzungsarbeiten bin ich Christiane Wassilew verbunden.

48
Die Briefe befinden sich als Teilnachlaß Georg Kerners im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Ich verdanke die Einsicht in diese Dokumente Ulrike Müller-Link. Für Übersetzungsarbeiten bin ich Christiane Wassilew verbunden.

49
Vgl. Adolf Wohlwill, Zur Biographie Johann Gotthard Reinholds. In Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, 1885, S. 183 - 207.

50
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 24.

51
Die Lebensdaten beruhen auf dem Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller (Anm. 46), passim. Vgl. ferner Franklin Kopitzsch, Grundzüge einer Sozialgeschichte der Aufklärung in Hamburg und Altona. 2 Teile. Hamburg 1982.

52
Vgl. Walter Grab, Demokratische Strömungen in Hamburg und Schleswig-Holstein zur Zeit der ersten Französischen Republik. Hamburg 1966. S. 95-100.

53
Vgl. Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. 8 Bände. Hamburg 1851-1883. Hier 1. Band, 1851, S. 365-366.

54
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 20.

55
Hedwig Voegt (Hg.), Georg Kerner. Jakobiner und Armenarzt. Reisebriefe. Berichte. Lebenszeugnisse. Berlin (Ost) 1978. S. 341

56
Vgl. die ungedruckten Aufzeichnungen von Johanna Friederike Duncker, Kerners Gattin. Heute in Familienbesitz.

57
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 43ff

58
Eine Kopie des Originals besitzt der Nachfahr Walther Kerner. Für die Einsicht sei gedankt.

59
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 48.

60
anonym, Auszüge aus den Verhandlungen der Philanthropischen Gesellschaft zu Hamburg. Eine Zeitschrift. In zwanglosen Heften. Hamburg 1798. (Die Zeitschrift wurde gleich nach Erscheinen konfisziert. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv Hamburg: Bestand Senat Cl. I Lit. Pb VOI 8c: Sicherheitsregeln seit der französischen Revolution, Fasc. 2, No. 20.) S. 39.

61
Vgl. Alain Ruiz, Die publizistische Tätigkeit Heymann Salomon Pappenheimers in Hamburg zur Zeit der französischen Revolution. In: Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte, Bd. 12, Tel Aviv 1983. S. 129-187.

62
Über die Behandlung der jüdischen Nation. In: Journal der neuesten Weltbegebenheiten, 1798, S. 93.

63
Adolf Wohlwill, Die angeblichen revolutionären Klubs in Hamburg, insbesondere während des Jahres 1798. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 7, 1883. S. 18f

64
Journal der neuesten Weltbegebenheiten, 1798.

65
Über Unzer vgl. Hans-Werner Engels, Johann Christoph Unzer. Bemerkungen zum Lebensschicksal, eines vielseitigen Gelehrten. In: Flottbeck. Othmarschen. Eine Stadtteilzeitschrift Hamburgs. Mai-August 1988.

66
Vgl. Walter Grab, Demokratische Strömungen in Hamburg und Schleswig-Holstein zur Zeit der ersten Französischen Republik. Hamburg 1966. S. 218

67
August Danican, Cassandra°oder einige Betrachtungen über die französische Revolution und die gegenwärtige Lage von Europa. July 1798. S. 142.

68
August Danican, Cassandra°oder einige Betrachtungen über die französische Revolution und die gegenwärtige Lage von Europa. July 1798. S. 142.

69
Adolf Wohlwill, Die angeblichen revolutionären Klubs in Hamburg, insbesondere während des Jahres 1798. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 7, 1883. S. 22


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Erstmalig gedruckt erschienen im "Quatuor Coronati" Jahrbuch 1988 Nr. 25 - Seiten 193-207
Freimaurerische Forschungsgesellschaft e.V. und Forschungsloge Guatuor Coronati, Bayreuth. No. 808
der Vereinigten Großlogen von Deutschland Bruderschaft der deutschen Freimaurer.
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